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Pivian exchange Rio de Janeiro Portugiesisch Sprachreise, Portugiesischkurs und Portugiesischschule
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Auslandspraktikum/Famulatur, Kolumbien, Bogota

von Tamara (Berlin, Deutschland)

Spanisch Sprachunterricht

Die Sprachschule ist professionell. Normalerweise ist der Unterricht in Kleingruppen von bis zu fünf Leuten eingeteilt, oft sind es aber auch nur 3. Ich habe allerdings Privatstunden genommen. Mary war eine gute Lehrerin. Sie geht sehr auf die Wünsche ihrer Schüler ein. Demenstprechend kann man seinen Schwerpunkt je nach Interesse wählen.

Für mich standen natürlich medizinische Themen im Vordergrund. Oft konnte ich auch Fragen, die ich vom Praktikum hatte, mit ihr klären, da ich in meinem Praktikum auch Vorträge etc. halten musste. Mir hat es sehr geholfen, mich mit ihr darauf vorbereiten zu können. Auch die anderen Schüler dort waren mit Kursen sehr zufrieden. Im Schnitt sind dort meist 8-10 Schüler insgesamt.

Die Sprachschule bietet 2 Mal wöchentlich ein Programm an, teils Ausflüge in aber auch um Bogota.... Ich hatte nur einmal Zeit daran teilzunehmen. Dieser Ausflug war aber sehr gut. Außerdem ist es eine gute Möglichkeit, mal aus Bogota herauszukommen.

Auslandspraktikum - Famulatur im Krankenhaus

Die Clínica Universitaria Teleton ist an die Universidad de la Sabana angeschlossen, in der auch die Sprachkurse stattfinden. Es ist eine kleine Klinik. Es gibt aber trotzdem eigentlich fast alle Sparten. Ich habe dort ein achtwöchiges Praktikum (Famulatur) auf der Station für Innere Medizin gemacht.

Vorneweg, ich empfehle dieses Praktikum nur Personen, die schon am besten in Ländern mit ähnlichem Standards ein Praktikum gemacht haben und wirklich fließend sind im Spanischen, sonst glaube ich macht es nicht viel Sinn. Ein bisschen Lateinamerika-Erfahrung zu haben, halte ich für sehr sinnvoll, bevor man sich nach Kolumbien begibt. Es ist ein sehr intensives Praktikum mit recht langen Arbeitszeiten (6.30-18.00). Es werden Vorträge und Patientenvorstellung erwartet, teils vor 30 Leuten. Sprich, wer eine entspannte Famulatur sucht, wird dort nicht glücklich werden. Für mich war es eine tolle Erfahrung, aber auch sehr sehr anstrengend und zeitintensiv, v.a. weil ein Großteil meiner Wochenenden oft auf Lernen und Fallvorstellung oder Themavorbereitungen draufging.

Das Medizinstudium im Kolumbien ist sehr intensiv. Die Studenten wenden eigentlich ihre komplette Zeit dafür auf. Das technische Niveau der Klinik ist recht gut, da es eine Uniklinik ist. Die Patienten sind alle versichert, aber natürlich fehlt es hin und wieder an wichtigen Medikamenten (dies war allerdings keine Überraschung). Auf der inneren Station sind immer vier Studenten eingeteilt, der Tag beginnt dort um ca. 6.30 (ich brauchte ca. 45 min dorthin) und geht bis 17.30-18.00. Der zuständige Arzt kommt um ca. neun. Bis dahin muss man seine Patienten (meist 3) gesehen und ihre Geschichte aus dem Computer zusammengestellt haben. Die Visite geht dann meist vier Stunden bis eins. Jeder stellt seine Patienten vor und diese werden dann ausführlich besprochen. Es gibt viel zu lernen und lesen, da Themen für den nächsten Tag wiederholt werden müssen (das dann vergessen wird zu wiederholen - allerdings wenn man es nicht macht, kommt es meist immer am nächsten Tag dran, und als Austauschstudent wird man eigentlich immer gefragt, was man weiß). Es wird erwartet, dass man weiß, wie man einen Patienten untersucht, befragt etc. Ich studiere in Deutschland in einem reformierten Medizinstudium mit hohem Praxisanteil. Von daher war das kein Problem. Eigenengagement ist immer gefragt und dann kann man sehr viel lernen.

Der Arzt der mich betreut hat, war sehr nett. Obowhl ich 1,5 Jahre in Mexico gelebt habe, hatte ich allerdings am Anfang Schwierigkeiten ihn zu verstehen. Er erklärt sehr viel und ausführlich, und ist immer bereit, Fragen zu beantworten - einfach super!

Natürlich kommt es auch öfter vor, dass man mal zwei, drei Stunden nichts zu tun hat oder man auf irgendetwas oder irgendjemand warten muss, aber asi es la vida und man ist in Lateinamerika. Es ist einfach ein anderer Lebensrhythmus. Auch in Kolumbien ist es nicht anders.

Die Mitstudenten waren sehr nett, meist etwas jünger und auch sehr mit ihrem Studium beschäftigt. Da ich jeden Abend ins Capoeira-Training in Bogota ging, hatte ich dort viele Freunde gefunden. Daher habe ich in meiner Freizeit nichts mit den anderen Medizinstudenten dort gemacht. Man sieht sich auch eh den ganzen Tag und außerdem sind Medizinstudenten in Kolumbien eher konservativ, sehr studiosus und praktisch alle sehr familien- bzw. freund/in-bezogen, wobei dann wenig bis keine Zeit für anderes bleibt. Ich rate jedem, sich noch andere Beschäftigungen neben dem Praktikum zu suchen wie Sport etc. um Leute kennenzulernen. Bogota hat ein tolles Nachtleben. Mit den Freunden von Capoeira konnte ich dies ausführlich geniessen.

Unterkunft in Schulresidenz

Die Pivian exchange Partnerschule hatte mir ein Zimmer in einer sogenannten Residencia estudantil vermittelt und auch schon geschrieben, dass dies recht "basic" sei. Es ist nicht ganz ein Studentenwohnheim, wie man es sich hier vorstellt, sondern es handelt sich um eine Señora mit ihren beiden Töchtern, die einzelne Zimmer (insgesamt gibt es circa 8) an kolumbiansche und eben auch ausländische Studenten vermietet. Während der 10 Wochen, die ich dort war, war ich die einzige Ausländerin. Der Rest der Bewohner sind hauptsächlich kolumbianische oder venezulanische Studenten.

Die Unterkunft ist basic. Auch würde ich raten, eigene Handtücher und evtl. Bettwäsche mitzubringen. Insgesamt ist sie aber völlig ausreichend und ich habe mich dort wohl gefühlt. Wenn man allerdings Anschluss sucht, dann ist dies vielleicht nicht der richtige Ort. Man wäre dann in einer Familie besser aufgehoben. Die Besitzerin und ihre Töchter beantworten gerne alle Fragen, aber man ist auf sich allein gestellt. Auch zu den anderen Bewohnern habe ich keinen Kontakt gehabt, weil dort alle sehr ihres Weges gehen. Mir persönlich war das sehr recht, weil ich fast nie dort war und wenn, wollte ich meine Ruhe haben. Von anderen Schülern der Sprachschule habe ich allerdings gehört, dass sie eine Gastfamilie besser finden, da es sehr nette Familien wären, die sich viel um ihre "Gäste" kümmern würden. Auch ist es natürlich einfacher den unumgänglichen Kulturschock in einer Familie leichter zu überstehen, die einem ein bisschen erklärt wie alles in Bogota funktionniert, da es nicht ganz einfach ist am Anfang sich zurechtzufinden.

Man teilt sich ein Bad mit den anderen und es gibt eine gemeinsame Küche. Ich habe nie gekocht und die Ausstattung der Küche ist dürftig. Wer Ambitionen in dieser Hinsicht hegt, sollte sich überlegen, einen eigenen Topf mitzubringen. Aber Essen ist in Colombia für unseren Standard sehr billig. Von daher lohnt es sich eigentlich eh nicht zu kochen.

Am Anfang braucht man etwas Zeit um sich mit den tausend verschiedenen Bussen zurecht zu finden. Eine Transmilenium Station (Anm.: Transmilenium ist ähnl. einer Metro, nur eben mit Bussen) ist nicht in der Nähe der Residencia und von daher ist man auf die kleinen Busetas angewiesen. Auch ist die Residencia nicht in Zentrumsnähe (45min-1.15h) und ca. 45min von der Uni entfernt, in einer recht ruhigen Wohngegend. Bogota ist sicher und solange man nicht blond und blauäugig ist, fällt man auch nicht zu stark auf. Ich bin ein dunkler Typ. Ich hatte nie Probleme hinsichtlich Kriminalität in Bogota.

Bevor man reist, sollte man sich informieren, in welche Gebiete man ohne Probleme fahren kann. In der Sprachschule können sie einem darüber Auskunft geben. Ich persönlich hatte leider keine Zeit zum Reisen. Aus diesem Grund kann ich darüber nicht viel schreiben.

Fazit des Aufenthalts

Wie oben erwähnt, empfehle ich das Praktikum im Krankenhaus an alle, die:

  • erstens Lateinamerika-Erfahrung haben, da Kolumbien sicherlich am Anfang ein Kulturschock ist,
  • zweitens sehr gut Spanisch sprechen, sonst kommt man im Krankenhaus zu nichts,
  • und drittens Eigenengagment haben, da dies kein Praktikum zum Ausruhen ist. Um sich in Bogota und der Klinik zurechtzufinden, gehört ein bisschen Energie dazu. Es ist vom Klima und Verkehr her eine sehr anstrengende Stadt.

Da ich diese Voraussetzungen hatte, war es für mich eine tolle Erfahrung, einmalig!!!

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