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Mit dem Fahrrad entlang der Carretera Austral

Der Verlag über das Buch

Die Rumtreiber Kathrin Rudolph und Thomas Heidbüchel waren über 2 Jahre in Chile, dem längsten Land der Welt, per Fuß, Rad und Pferd unterwegs. Neben ihren Diavorträgen haben sie einen handlichen Radwanderführer für alle Abenteuerhungrigen zusammengestellt.

Jedes Telefon, jede Fähre sowie das gesamte Streckenprofil entlang der über 1000 Kilometer langen Strecke sind darin verzeichnet. Und noch viel mehr.

Der Autor über sein Buch

Um an Informationen zu gelangen, heißt es unendlich viel Zeit und Geduld zu haben, halbwegs spanisch zu können, im richtigen moment die richtigen Leute zu treffen, von einem Amt zum anderen zu laufen und das eigentlich Geplante immer wieder auf manaña (morgen) zu verschieben. Doch die Wenigsten bringen unendlich viel Zeit mit für ihre Reise. damit auch die Leute mit weniger Zeit diese wunderbare Gegend entdecken können, ohne Stress zu haben oder womöglich die schönsten Sachen zu verpassen, haben wir unsere Erfahrungen und Erlebnisse in diesem Radführer zusammengefasst.

"Als Gott die Welt erschuf, hatte er von allem noch eine Hand voll übrig - Urwaldstücke, Berge, Wüstenfetzen, Flußschlingen, Wasserfälle, Vulkane, Fjorde und Eis - und er tat das alles in seine Hosentasche. Aber da war ein Loch drin, und als er durch den Himmel schritt, rieselte alles heraus. Die lange Spur, die er auf der Erde hinterließ, war Chile." - das wohl vielgestaltigste Land unserer Erde.

Chile ist für uns Europäer ein Land mit unvorstellbaren Dimensionen. Wenn man vom Nordkap bis zu den Oasen Marokkos radeln würde, hätte man ungefähr denselben Weg hinter sich gebracht, um Chile in seiner ganzen Länge zu erkunden. Aber warum in der trockensten Wüste der Welt schwitzen, an Einsamkeit sterben oder verdursten, im ALTIPLANO auf 4000m an Höhenkrankheit leiden, warum eingezäunt wie Vieh nicht von der Straße abweichen können, warum sich auf der Panamericana von lärmenden Abgasschleudern in den Straßenrand drängen lassen, und an allem wirklich Schönen vorbeifahren, wo es doch im Süden des Landes ein Paradies für Fahrradfahrer gibt, das es zu entdecken gilt?

CHILOÉ ist die größte Insel Chiles, mit dicht bewaldeten Bergen im Westen und sanften Grashügeln, kleinen Kirchen und Feldern im Osten. Seit Jahrhunderten leben die Chiloten von Meeresfrüchten und Feldbau. Laut Darwin kommt sogar die Kartoffel, von der es hier mehr als 20 Sorten gibt, aus CHILOÉ. Die Insel ist mit ihrer einzigartigen Kultur und den stark gepflegten Traditionen selbst für die Chilenen etwas ganz besonderes. Im Sommer zieht sie Studenten, Kunsthandwerker, Lebenskünstler und Traveller gleichermaßen an. Besonders im Februar finden überall auf CHILOÉ und den vorgelagerten kleinen Inselchen Feste statt. Selbst aus der Arbeit wird ein Fest gemacht. Beim sogenannten Minga wird gemeinsam geerntet und nach getaner Arbeit ausgiebig gefeiert.

Ruhiger geht es dagegen auf der Carretera Austral zu. In aller Stille kann man die vielfältigen Naturschönheiten genießen: grüne Wälder, schneebedeckte Berggipfel, eisigblaue Gletscher, smaragdgrüne Seen, wilde Flüsse, tosende Wasserfälle und stille Meeresbuchten in denen Robben spielen... Kurz gesagt: eine wilde, noch ursprüngliche Region, wo die Fußspuren der Entdecker noch nicht verwischt sind. So lässt auch die durch den Urwald gehauene Schotterpiste richtig Abenteuerlust aufkommen. Wenn man hier von den so aufgeschlossenen und freundlichen Leuten zum Maté eingeladen wird (Maté-Regeln auf S. 95 beachten!), kann es vorkommen, dass sie nach zwanzig Jahren mal wieder einen Touristen zu Gesicht bekommen. Die touristische Entwicklung steckt hier noch in den Kinderschuhen, und so wird in den meisten Reiseführern die Carretera Austral und ihre Umgebung nur kurz oder gar nicht erwähnt. Um an Informationen zu gelangen, heißt es unendlich viel Zeit und Geduld zu haben, halbwegs spanisch zu können, im richtigen Moment die richtigen Leute zu treffen, von einem Amt zum anderen zu laufen und das eigentlich geplante immer wieder auf manaña (morgen) zu verschieben. Doch die Wenigsten bringen unendlich viel Zeit mit für ihre Reise. Damit auch die Leute mit weniger Zeit diese wunderbare Gegend entdecken können, ohne Stress zu haben oder womöglich die schönsten Sachen zu verpassen, haben wir unsere Erfahrungen und Erlebnisse in diesem Radführer zusammengefasst.

Wir wünschen Euch viel Spaß und immer eine Hand voll Schotter unterm Reifen.

Die Rumtreiber Kathrin & Thomas

Los furiosos ciclistas - Die zornigen Radfahrer

Wie immer, dichter Verkehr auf der Av. Alameda. Auf sechs Spuren rasen laut dröhnend die Busse und Autos, und wir mittendrin. Leicht schlingernd mit all dem Gepäck und wohl auch vor Angst, nehmen wir lieber gleich eine ganze Fahrbahn für uns ein, damit die Autofahrer gar nicht erst auf die Idee kommen, uns riskant auf der gleichen Spur zu überholen. Und was sehen wir da: einen Radfahrer. Noch so ein Verrückter, denken wir und radeln weiter durch die sich nun anstauenden Autos. Plötzlich sehen wir Hunderte von Radlern, die ganze Alameda ist von den laut pfeifenden und grölenden Pedalrittern eingenommen. "Quien no salta es auto" ("Die, die nicht springen, sind Autos") lautet ihr Ruf, eine Adaption des Schlachtrufes der Pinochetgegner.

Es ist mal wieder der erste Dienstag im Monat, und das MFC (El Movimiento de furiosos ciclistas) proklamiert den Ersatz der Autos durch Fahrräder. Santiago wäre wirklich eine fahrradfreundliche Stadt - fast eben, wenig Wind und kaum Regen -, wenn da nicht die Abgase des Verkehrs wären. Wie eine Dunstglocke hängen sie über der 6 Mio. Stadt, gefangen durch die umliegenden Berge. Trotz zahlreicher Atemkrankheiten, beschweren sich die meisten Stadtbewohner nur leise und behalten ihren Lebensstil bei.

Einfach erscheinen die Lösungsvorschläge der zornigen Radfahrer und weit weniger drastisch als die Ideen der Vergangenheit, zum Beispiel: künstlichen Regen zu erzeugen oder ein Loch in die Andenkette zu sprengen, damit die Luft im Talkessel besser zirkulieren kann. Die Ciclistas furiosos versuchen nur die Anwohner zu überzeugen, ihre Lebensangewohnheiten zu ändern. Die 1995 gegründete Organisation zählt mittlerweile circa 5.000 Mitglieder in ganz Chile und organisiert Radexkursionen in die Umgebung von SANTIAGO, repariert kostenlos Fahrräder und setzt sich für den Bau von Radwegen ein. Als Anerkennung für Ihren beharrlichen Kampf für einen sauberen Transport und eine menschlichere Stadt bekam das MFC 1999 den ersten Preis der "Besten Umweltaktion 1999".

"Einmal im Monat treffen wir uns zu einem Fest und feiern uns als städtische Radfahrer, die stolz auf ihr Fahrzeug sind. Wir demonstrieren unsere Freude und wollen sie auf den Rest der Städter, die uns zufällig auf dem Weg begegnen, übertragen. Wir meinen, dass die Menschen, die es vorziehen mit dem Auto zu fahren oder auf den überfüllten Bus zu warten, noch nicht die Vorteile des Fahrrads als effizientes, preiswertes und sicheres Transportmittel entdeckt haben."

El movimiento de furiosos ciclistas: www.furiosos.cl

Die Carratera Austral

Die Ruta 7, Carratera Austral oder Carretera Longitudinal Austral Presidente Augusto Pinochet Ugarte, oder kurz Camino Austral genannt, beginnt in PUERTO MONTT und verläuft mehr als 1200km parallel zur Pazifikküste bis zum am Fuße des südlichen Inlandeises gelegenen Dörfchen VILLA O'HIGGINS. Unterbrochen durch drei Fährverbindungen schlängelt sich die waschbrettartige Schotterpiste, die wie eine Schneise durch dichten Urwald gehauen wurde, durch Fjordlandschaften, über enge Gebirgspässe, entlang steiler Felswände, aber auch durch staubtrockene Pampa, kurz: durch große topografische Vielfalt.

Im Jahre 1976, drei Jahre nach dem Militärputsch unter General Pinochet, wurde mit dem Bau des Megaprojektes Carretera Austral begonnen und im Jahre 1982 wurde dann die erste Strecke zwischen CHAITEN und COYHAIQUE offiziell eingeweiht. Bis heute bauen das Militär und der Staat und in deren Auftrag private Bauunternehmen an der Carretera Austral, wobei das letztes Stück zwischen PUERTO YUNGAY und VILLA O'HIGGINS im September 1999 fertiggestellt wurde. Nicht nur der Bau der Straße verschlang über 300 Mio US$, durch Erdrutsche und Überschwemmungen wird auch ihre Instandhaltung zum Alptraum. "Los obstaculos son para vencerlos" (Hindernisse sind dazu da überwunden zu werden) lautet die Losung des Militärs. Schon mehrmals kam es bei Erdrutschen zu tödlichen Unfällen, doch "La sangre de un soldado jamas ha sido derramada en vano" (Das Blut eines Soldaten fliesst niemals umsonst), heißt eine zweite Parole. Militärdienst ist in Chile obligatorisch. Besonders hart trifft es den, der die 14 Monate beim Straßenbau im rauhen Klima der am dünnsten besiedelten Region Chiles ableisten muss. Zwischen CHAITEN und COYHAIQUE leben kaum mehr als 80 000 Einwohner, die Hälfte davon wohnt in COYHAIQUE. Aber warum investiert Chile soviel Geld in ein Projekt das so wenige Leute bedient? Vom Anschluss einer isolierten Region an das nationale Territorium Chiles, von wirtschaftlicher Aufwertung des Gebietes und von besserer materieller sowie gesundheitlicher Versorgung der Bevölkerung sprechen die Befürworter dieses umstrittenen Projekts. Der wirkliche Grund schien aber in der Geopolitik Pinochets zu liegen. Um kein Territorium an andere Staaten zu verlieren, musste seiner Meinung nach das gesamte Gebiet innerhalb der Grenzen des Landes besiedelt und entwickelt sein. Der Militärdiktator beschrieb in seinem 1977 erschienenen Buch 'Geopolitica' seine Auffassung vom Staat als ein organisches Wesen, als die höchste Form der sozialen Evolution. Bei dieser Art Übermensch, werden die Extremitäten des Landes mit dem zentral regierenden Kopf Santiago verbunden, wie die Glieder eines Körpers, wobei die Nord-Süd-Achse die Wirbelsäule bildet.

Chile und Argentinien betrachten sich gegenseitig als Bedrohung für die dünn besiedelten Gebiete im Süden. Und das nicht ganz ohne Grund, überfiel doch Argentinien, das nach seinen eigenen geopolitischen Prinzipien handelte, im Jahre 1979 die zu Großbritannien gehörigen Falklandinseln und hielt sie über zwei Monate besetzt, bis die damalige Premierministerin Margaret Thatcher gut ausgerüstete britische Truppen schickte. Schon 1979 standen Chile und Argentinien kurz vor einem bewaffneten Krieg um drei Inselchen im Beaglekanal, bis der Papst ein Machtwort sprach und die beiden katholischen Länder zur Vernunft aufrief.

Schon ein Blick auf die Karte verrät die Uneinigkeit beider Länder. Dabei stellt man fest, dass ein von der Grenze geteilter See oder Berggipfel zwei Namen besitzt. Chile hat kurzerhand seine geographisch zugesprochenen Territorien umbenannt. So wurde unter anderem aus dem Lago Buenos Aires, der Lago General Carrera; aus dem Lago San Martin, der Lago O´Higgins und der zweithöchste Berg Patagoniens Cerro San Lorenzo heißt in Chile Cerro Cochrane.

Bis heute ist der Grenzverlauf zwischen Argentinien und Chile nicht vollständig geklärt. Der ewige Konflikt beruht auf einem Gesetz aus dem vorigen Jahrhundert, wo festgelegt wurde, dass die Grenze entlang der höchsten Gipfel und entlang der Wasserscheide verläuft. Genau da liegt das Problem, denn nicht immer ist die Wasserscheide identisch mit der Linie entlang der höchsten Gipfel. Jeder legt natürlich die Priorität auf die für ihn vorteilhaftere Auslegung. Das führte sogar soweit, dass Argentinien ganze Moränenwälle abgrub, um den Lauf des Wassers zu seinen Gunsten zu verändern. Erst kürzlich wurde der Grenzverlauf an der Laguna del Desierto, südlich des Lago O'Higgins durch eine internationale Kommission entschieden, wobei Chile einen Teil seines Gebietes an Argentinien verlor. Im Moment sind die Beziehungen zwischen Argentinien und Chile aber wieder etwas freundlicher, doch noch immer ist die Grenze auf dem südlichen Inlandeis nicht vollständig abgesteckt. Wie gegenwärtig Pinochets Geopolitik noch immer ist, wird an der geplanten Fortführung des Camino Austral um weitere 900km auf chilenischer Seite bis nach PUERTO NATALES deutlich. Tatsächlich hat das Militär bereits mit dem Bau der Straße begonnen, die durch neun Fähren verbunden am südlichen Inlandeis vorbeiführen wird und in etwa 40 Jahren fertig sein soll. Allerdings erwies sich das erste Stück der Carretera Austral durch die Fährverbindungen für den kommerziellen Verkehr als völlig unattraktiv. Dieser zieht die Fahrt per Schiff über die Wasserstraße direkt nach CHAITEN und CHACABUCO, der langsamen und anstrengenden Fahrt auf der Straße vor. Bauarbeiten sollen die Strecke aufwerten, innerhalb der nächsten 12 Jahre soll der Abschnitt zwischen CHAITEN und COYHAIQUE komplett asphaltiert sein. Doch bis jetzt führt der öffentliche Busverkehr von PUERTO MONTT nach COYHAIQUE über Argentinien. Aber der wenige Verkehr ist dem Fahrradfahrer nur Recht, der durch die Carretera Austral die Möglichkeit hat, die wilde und scheinbar noch unberührte Natur eines vorher kaum zugänglichen Gebietes en bici zu entdecken.

Tortel - Wo der Teufel seinen Poncho verlor

Mit einem kleinen Ruderboot kämpft Prospero Urrutia gegen die heftige Strömung des Bakerflusses an. Er hält sich im flacheren Wasser dicht am Ufer, da wo die Strömung am geringsten ist, doch an manchen Stellen nützen seine kräftigen Ruderschläge nichts. Er muss aussteigen und sich am dicht bewachsenen Ufer durch den Busch schlagen um das Boot flussaufwärts zu treideln. Vier Tage braucht er auf diese Weise, um zum 15 km entfernten Río Vargas zu kommen. Hier sattelt er um, und macht sich zusammen mit vier weiteren Packpferden auf den Weg, ins argentinische RÍO MAYO. Kleine Pfade durch dichten Regenwald führen hinauf zu den Gebirgspässen, die ihn über die Anden nach Argentinien führen. Hier wird das Gelände trocken und karg. Nach Wochen endlich im 400 km entfernten RÍO MAYO angekommen, kauft er dort für sich und seine 7-köpfige Familie den Essensvorrat für die nächsten 8 Monate. Vollbeladen mit Mehl, Yerba Maté und anderen wichtigen Lebensmitteln heißt es, den langen und beschwerlichen Heimweg anzutreten. Etwa eineinhalb Monate später kann der Familienvater in sein kleines Boot am Río Vargas, einem Seitenfluss des Río Baker, umsteigen. Von nun an geht es bis CALETA TORTEL nur noch flussabwärts. Eine gefährliche Fahrt, die vollbeladene kleine Nussschale wird von den reissenden Fluten des wasserreichsten Flusses Chiles mitgerissen. Baumstämme, Strudel und Sandbänke im trüben Wasser machen die Tour zur ‚Höllenfahrt'...

"So war das in den Fünfzigern" erzählt der heute 84 jährige Prospero Urrutia, einer der ersten Einwohner von TORTEL. Im Jahre 1951 kommt er aus Argentinien mit Pferden und Kühen in dieses wald- und regenreiche Gebiet auf der Suche nach Land. Doch durch die klimatische Umstellung sterben seine Tiere. So sucht sich der Pionier anderswo eine Arbeit, um sich vom Lohn neues Vieh kaufen zu können. Nach sechs Jahren kehrt er schließlich mit seiner Frau Angela und 5 Kindern zurück nach TORTEL. Nach und nach kommen weitere Siedler, die meisten arbeiten als Holzfäller. Die Marine errichtet einen Standpunkt in TORTEL und es beginnt alle 4 Monate ein Versorgungsschiff zu verkehren, das gleichzeitig das Holz der Campobesitzer kostenlos mit nach PUNTA ARENAS transportiert, wo es für den Zaunbau auf den riesigen Estancias verkauft wird. Um die harten Bedingungen der Siedler etwas zu verbessern, werden jedesmal mit der Fähre Medikamente mitgeliefert. Aber erst im Jahre 1966 wird ein Lebensmittellager in CALETA TORTEL errichtet. Noch heute ist die "Emanza" der einzige "Supermarkt" des Ortes, der gleichzeitig auch Benzin verkauft, allerdings nur einmal am Tag, und zwar genau 12.30 Uhr. Dann kommen die Bootsbesitzer mit einem kleinen Kanister in der Hand, der in einer Halle nebenan aus Benzinfässern gefüllt wird. Autos gibt es hier nicht, wozu auch, wo es doch keine Straßen gibt. Früher, erzählt der Bürgermeister Jose Miguel Vera Cantreras, ruderten die Leute zum nächsten Haus oder stapften in hohen Gummistiefeln durchs Wasser oder über den schlammigen Fels. Im Jahre 1982 begann man, die Häuser durch Holzstege zu verbinden. Das wurde so intensiv betrieben, dass es heute ca. 6 km Holzwegenetz in dem 300-Seelendorf gibt. Der süßliche Duft des Zypressenholzes hängt über dem ganzen Ort, ganz besonders bei Regen, und den gibt es hier reichlich, ungefähr 400 Tage im Jahr, scherzen die Tortelinos. Dann werden auch die Holzstege teuflisch glatt.

Eine chilenische Redensart bezeichnet mit "wo der Teufel seinen Poncho verloren hat" Gegenden am A... der Welt. CALETA TORTEL ist ganz gewiss noch so ein Ort. In einer ruhigen Bucht am Bakerkanal gelegen, hat das Dörfchen bis heute noch keinen Straßenanschluss. Man erreicht es nur per Boot über den Río Baker. Noch etwas weiter draußen im Mündungsdelta liegt die mysteriöse Isla de los muertos - die Toteninsel. Zwischen Farnen und Bambus stehen hier etwa 30 Holzkreuze. Einst sollen es an die 120 gewesen sein, doch die meisten Gräber hat der Fluss mitgerissen. Bemoost und völlig zugewachsen geben sie bis heute ihr Geheimnis nicht preis. Keiner weiß genau welche Tragödie sich hier vor 100 Jahren abspielte. Anfang des Jahrhunderts drangen große Viehzuchtunternehmen von der Pampa an der argentinisch-chilenischen Grenze nach Westen vor. Die ruhige Bucht an der Bakermündung eignete sich gut als Verschiffungshafen, da er viel näher als die entfernte Atlantikküste lag. Mit Hilfe chilotischer peónes (Hilfsarbeiter) brachten sie die Viehherden den Fluss hinunter. Was dann geschah ist unklar. Sind die Arbeiter verhungert, als sie vergebens auf ein Schiff aus VALPARAÍSO warteten, das aufgrund des schweren Erdbebens im Jahre 1906 nicht kommen konnte? Aber eigentlich sind die Chiloten doch gute Fischer? Oder sind sie an Skorbut gestorben? Oder hat ein gewisser Julio Vicuña Supercaseaux den Lohn für die chilotischen Peónes einsparen wollen und am Ende des Viehabtriebes das tödliches Gift Strychnin ins Brot gemischt? Aber wer hat dann die vielen Gräber geschaufelt und die Holzkreuze angefertigt? Wie auch immer. Es bleiben viele Fragen ungeklärt und keine der Theorien konnte bis heute bewiesen werden.

Radwanderführer ChileLese jetzt weiter im Radwanderführer Chile von Kathrin Rudolf und Thomas Heidbüchel.

Kurzbeschreibung

Über 1000 Kilometer durch das längste Land der Welt. Dieser Radwanderführer beinhaltet zu jedem Streckenabschnitt: Höhenprofil, detaillierte Wegbeschreibung, Serviceteil mit Piktogrammen. Und außerdem: Ersatzteil- und Werkzeugcheckliste, Mate-Tee-Regeln, Feste & Feiertage, Chilenismo & Straßenspanisch. Sowie weitere Informationen über: Anreise, Wetter, Ausrüstung, Karten, Telefon & Internetmöglichkeiten, Geld, Bustransport entlang der Carretera Austral und kurze Anekdoten über Land & Leute. Passend für herkömmliche Fahrradlenkertaschen. 107 Seiten, 15 schwarz-weiß Tabellen, 20 schwarz-weiß Fotos, 5 schwarz-weiß Zeichnung(en), Streckenprofildiagramme, Übersichtskarten - 13,5 × 19,5 cm.

Copyright Kathrin Rudolph und Thomas Heidbüchel, Radwanderführer Chile, worthandel : verlag.

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